Der Kreefbüdel

"Wie der "Kreefbüdel" aussah? Nun, ein Segeltuchsack war es von einem halben Meter Höhe bei zwanzig Zentimetern Durchmesser mit einem kreisrunden Boden darin. Aufgehängt wurde er an fünf oder sechs Spruten, die in einem Steert zusammenliefen. Dieser daumendicke Strang mit seinem Auge zum Aufhängen war meist mit vollendeter Fancy-Arbeit hergestellt, vielleicht einem Rundplatting oder einem Schraubenplatting oder sonst einer Flechtarbeit, außerdem geschmückt mit einigen Türkischen Bunden aus verschieden dicken Garnen und verschiedenem Material. dittybagSchließlich wurde das Auge verstärkt durch einen akkurat geflochtenen Schweinsrücken oder was dem Hersteller sonst noch kunstreich oder dekorativ erschien. Denn sein Kreefbüdel war eines jeden Janmaaten Visitenkarte. Was dieses geheimnis-volle Requisit eigentlich darstellte? Ganz klar - es war Hein Seemanns Handwerkskasten. Darin standen kopfunten zwei oder drei Marlspiker, jene etwa fußlangen Dorne, die man zum Spleißen von Drahttauerk haben muß. Darunter war stets ein ganz schlanker, über-langer, aus bestem Stahl hergestellter für die Bearbeitung schwerer Drähte. Dann ein oder zwei Pricker, das sind kleinere Spleißdorne mit handlichen Holzgriffen dran. Man braucht sie für schwächere Drähte, die lehnig sind, und zum Aufsetzen von Bändseln. Marlspiker__4_Weiter fand man im Kreefbüdel die Fid, den Traum eines jeden Schiffsjungen, oder auch zwei Fidden. Aus Koffeenägeln - selbstverständlich vom letzten Schiff stammend - machten wir uns selbst welche,FidMGRb wenn der Schiffszimmermann uns nicht großmütig mit seiner Kunst unter die Arme griff. Auch ein Hammer steckte dari oder zwei von verschiedener Größe, dann die Kleidkeule, die beliebte "Muuskül", mit der angeblich an Bord die Patienten chloroformiert wurden, ferner eine Kneif- und Flachzange, ein oder zwei gute Stahlmeißel, ein Steerthaken, den man beim Segelnähen braucht, und endlich in den tiefsten Gründen der Segelhandschuh, wohl auch mal ein Lieken-handschuh, und schließlich das unentbehrliche Stück Kuhhorn mit Talg darin, in dem eine reichliche Auswahl an Segelnadeln rostsicher ruhte - das war der Inhalt solch eines Kreefsackes. Es war kein leerer Brauch, wenn wir diese Dinge von Schiff zu Schiff schleppten. Wir verstanden auch Gebrauch davon zu machen."
Fred Schmidt, Von den Bräuchen der Seeleute, Verlag, Die Brigantine, Hamburg 1962 

Aus einem Stück Segeltuch, das er vielleicht vom Segelmacher geschenkt bekommen hatte, nähte sich der Seemann den "Kreefbüdel". Obwohl das typische seemännische Handwerkzeug, vom Reeder gestellt, zweifellos im Kabelgatt des Schiffes vorhanden war, zog Janmaat es vor,W_loewenm.logo_1 seine eigenen, oft selbst gefertigte und von eigener Hand verzierte Werkzeuge, zu benutzen. So war es, wie die alten Fahrensleute erzählten. Und auf den Segelschiffen war der Besitz guter, gepflegter Werkzeuge eine Frage des Seemannsstolzes. Als langjähriger Sammler weiß der Verfasser dieser Zeilen sehr genau, wie schwer und oft erfolglos es war, einem ergrauten Seemann seinen inhaltschweren "Büdel"
abzuschnacken.  

 IGKT_Passat_Werkzeug 

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