Herstellung von Tauwerk

Reepschl_tools_002a.gif"Die Betriebe, in denen Tauwerk hergestellt wird, heißen Reepschlägereien. In Hamburg erinnert noch die Bezeichnung `Reeperbahn`an solche Betriebe, die dort früher, außerhalb der Stadt vor dem Millerntor, ihre Reepschlägerbahnen aufgeschlagen hatten. Die Reepschlägerbahnen sind 180 Faden oder 325 Meter lang. Aus dem Hanf werden Kabelgarne gesponnen, die die Länge der Reepschlägerbahn haben und hieraus stellt man Trossen von 120 Faden Länge her.

Die Herstellung des Tauwerks, heute nur noch maschinenmäßig betrieben, geschieht in folgender Weise:
Man dreht mehrere Kabelgarne rechts herum und schlägt sie linksherum zu Kardeelen. Je nachdem, wie es verlangt wird, nimmt man nun 3 oder 4 Kardeelen und schlägt sie unter gleichzeitiger Linksdrehung rechts herum zu Trossen.SoldWiss_rope_012.gif Man hat so rechtsgeschlagenes Tauwerk erhalten. Bei linksgeschlagenem Tauwerk verfährt man entgegengesetzt.

Bei vierschäftigem Tauwerk werden die vier Kardeelen, auch Schäfte genannt, um eine Seele herumgeschlagen.

Anfangs reckt sich das neue Tauwerk mehr oder weniger, je nachdem, ob man es vorher stark oder weniger stark gedreht hat, durchschnittlich um 10-20%. Manilatauwerk reckt sich stärker als Hanftauwerk.

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Die Haltbarkeit des Tauwerks ist abhängig von der Art des verwendeten Materials. Gutes Tauwerk ist zwar teurer, hat dafür aber auch größere Lebensdauer.

In den einschlägigen Geschäften werden gewöhnlich folgende Sorten von Tauwerk vorrätig gehalten:

 

Segelgarn, Takelgarn, Schiemannsgarn, Hüsing, Marlleine, Steckleine, 6 Garnleine (1/2 Zoll),9 Garne (3/4 Zoll) usw. Heute ist es gebräuchlich, das Tauwerk nur nach seinem Umfang in Zollen zu bezeichnen, wobei noch gleichzeitig angegeben wird, ob es sich um Trossen-, Want- oder Kabelschlag handeln soll. Unter einem dreizölligem Tau versteht man demnach ein Tau von 3 Zoll Umfang. Trossenschlag ist dreischäftiges, Wantschlag vierschäftiges und Kabelschlag doppeltgeschlagenes Tauwerk. "
Hans Fehre, Seemännische Handarbeiten, Echardt & Meßtorff, Hamburg 1942

v.Sterneck_rope__4_.gifAn Bord wurde überwiegend rechtsgeschlagenes Tauwerk verwendet. Linksgeschlagenes Tauwerk benutzte man lediglich für bestimmte Zwecke:

„Die Marine verwendete früher für artilleristische Zwecke auch linksgeschlagene Trossen zu Talje-läufern. Dieses Tauwerk ist ebenfalls lose geschlagen, damit die Taljen leicht überholt und durchgeholt werden können.“
Albrecht Mühleisen, Handbuch der Seemannschaft, Bremen 1893

Linksgeschlagenes Tauwerk fand weitere Verwendung als Lot- und Logleinen, die zudem durchweg aus Hanffasern geschlagen waren.

Die Herstellung von Drahttauwerk ist ähnlich wie bei Fasertauwerk.v.Sterneck_rope__5_.gif Das in der Seefahrt übliche Drahttauwerk war sechskardeeliges Stahldrahttauwerk,das ab ca. 1840 auf Segelschiffen, vor allem als Stehendes Gut, verwendet wurde.

Leinen und Trossen, später aus Stahldraht, fanden an Bord Verwendung als Stehendes und Laufendes Gut. Stehendes Gut ist in der Takelage oder an Deck ständig fest angebrachtes (unbewegliches)  Tauwerk, das der Abstützung von Masten und Stengen (Stagen, Wanten, Pardunen) dient. Auch Fußpferde, Hanger und Strecktaue zählen zu Stehendem Gut.

Laufendes Gut ist alles Tauwerk, das durch Blöcke und Klotjes (Klotchen) geschoren ist, z.B. Fallen, Schoten, Brassen, Geitaue, Gordings, Flaggleinen u.a. Das Laufende Gut ist demzufolge an einem Punkt fest und steht entweder mit den Rundhölzern (Rahen, Bäumen) oder direkt mit den Segeln in Verbindung. Es dient insbesondere dem Setzen, Bergen und Bewegen der Segel.

Dem Verwendungszweck entsprechend, benötigte man an Bord unterschiedliche Tauwerksstärken. So nannte man Fasertauwerk mit einem Umfang bis zu zwei Zentimeter „Bändselgut“ (auch "Bändselwerk") . Von zwei bis sieben Zentimeter „Leinen“ und über sieben Zentimeter „Trossen“. Bändselgut wiederum wurde unterteilt in Marleinen, Schiemannsgarn, Hüsing, sowie Netz-,Takel-und Segelgarn.

"Zum Bändselwerk gehören: Log, Lot-, Flaggleinen, Schiemannsgarn, Hüsing, Marlleinen, Steckleinen, Fischerleinen, Netzgarn, Bindfaden, Takelgarn und Segelgarn. "  Castagne, Fritz, Unterrichtsheft für die Segelschulschiffe der Kriegsmarine, Kiel 1935 (?)

Bändselgut brauchte man für alle täglich anfallenden Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten wie , Betakeln von Tauenden, Aufsetzen von „Schweinsrücken“ und „Hundepints“, Bekleeden von Drahttauwerk und vieles andere mehr.
Tauwerk, das zum Schutz vor „Schamfilungen“ verarbeitet wurde, bezeichnete man als Fender- und Mattengut. Hierbei handelte es sich um minderwertiges oder gebrochenes Tauwerk und um Tauwerksreste.
Tauwerk war jedoch teuer und man benötigte viel davon, gebrochenes oder abgenutztes wurde nicht einfach fortgeworfen. So drehte man z.B. das Stück einer beschädigten Trosse auf in deren Kardeele. Aus einem Kardeel dröselte man dann bis zu vier Kabelgarne heraus, aus welchen wiederum sogenannte "Fuchsjes" gedreht wurden.

Füchse, Fuchsjes : Das war aus einzelnen Kabelgarnen alten Tauwerks, handgearbeites Bändselgut, für alle möglichen Takelarbeiten; besonders aber genutzt, zum Bekleeden des stehenden Guts, zur Fertigung von Matten und zum Flechten von Seisings (Zeisings).

Eine Arbeit für den "Moses", wie der Jüngste unter den Schiffsjungen genannt wurde. Die einfachste Methode, Fuchsjes zu drehen, ging so:

Moses nahm ein Kabelgarn von etwa 10 Meter Länge, doppelte dieses und legte die Bucht über einen Nagel . Beide Enden hielt er gleich lang in einer Hand, setzte sich bequem auf einen Poller und begann, etwa einen Meter vom Nagel entfernt, mit flacher Hand die beiden Kabelgarn-Enden auf seinem Oberschenkel, vom Körper weg, kräftig zu rollen. Moses rollte und rollte; entfernte sich weiter und weiter vom Belegnagel und dürfte nach einiger Zeit ein "Zweigarn-Ende" von etwa acht Metern gehabt haben. Bevor er das Ende vom Nagel nahm, "labsalbte" er es kräftig mit einem teergetränktem Stück alten Segeltuchs und fertig war ein "Fuchsje"! Einfache Fuchsjes wurden aus zwei, oder drei rechtsgeschlagenen Kabelgarnen auf diese Weise gedreht und ergaben links-geschlagenes Bändselgut.
Segelschiffsleute verwendeten Fuchsjes aber auch gern für die Herstellung ihrer Freizeitarbeiten; für Plattings, Seekistengriffe, Glockenbändsel u.a. Alte Seemannsarbeiten in manchem Schiffahrtsmuseum weisen eindrucksvoll darauf hin.

" Seisings zum Beschlagen und sonstigem Befestigen der Segel werden je nach Größe aus drei oder vier Fuchsjes gemacht,sea.gasket._014_Kopie.gif welche man mit ihrer Mittelbucht über einen Pumpenbolzen oder dergleichen aufhängt, und flicht die drei oder vier Parten nach der Länge des Auges zusammen.
Die Flechtung geschieht ganz einfach, indem man die äußeren Fuchsjes auf jeder Seite abwechselnd über die inneren bringt. Ein äußeres Fuchsje wird mit der rechten Hand gelegt, und der Rest so lange mit der Linken gehalten.sea.gasket._018_Kopie.gif Wenn dies geschehen ist,, schiebt man den zum Auge bestimmten und jetzt schon geflochtenen Theil bis zu seiner Mitte auf den Bolzen, so daß jetzt alle noch ungeflochtenen Fuchsjes neben einander hängen und flicht jetzt diese in der vorigen Weise zusammen; alsdann ist zuerst das Auge fertig.
Darauf fügt man noch ein Fuchsje hinzu, und flicht es bis zu einer passenden Länge hinein. Je weiter man alsdann kommt, desto mehr Fuchsjes läßt man nach und nach fort, so daß sich der Seising gegen das Ende zu allmählich zuspitzt.
Kommt man zur Spitze, so legt man ein Fuchsje aufwärts, flicht die anderen noch etwas weiter zusammen, und holt das aufgelegte durch und zusammen."
Bobrik, Eduard: Handbuch der Praktischen Seefahrtskunde, erschienen 1848 in Leipzig. 

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