Stahldrahttauwerk

Im Jahre 1831 erfand der  Oberbergrat Wilhelm August Julius Albert das Drahtseil für den Oberharzischen Bergbau. Das Drahtseil sollte bald darauf Hanfseile und Ketten, die bis dahin für die Kohleförderung eingesetzt wurden und starker Abnutzung unterlagen, ersetzen:

"1834 war es soweit: Im 480 Meter tiefen Schacht Caroline bei Clausthal wurde zum ersten Male in der Geschichte des Bergbaues ein Drahtseil für die Förderung aufgelegt. Bis 1838 waren weitere 17 Schächte mit dem neuen Seil aus Eisendraht ausgerüstet, und in den nachfolgenden Jahren trat das Drahtseil vom Harz aus seinen Siegeszug um die Welt an. Wo immer heute Schweres zu bewegen, vor allem zu heben, Großes zu verankern ist, wird das Drahtseil zur Hilfe genommen."
Patzke, Wolfgang: Der Siegeszug des Drahtseils, Zeitungsartikel, 18. März 1987

Das erste Drahtseil, auch "Albertseil" genannt, war aus " 3 Litzen zu je 4 Drähten " gedreht und ersetzte die zuvor in der Förderung verwendeten Hanfseile, die teuer in der Anschaffung waren, geringere Bruchlast besaßen und starker Abnutzung (Schamfilung) unterlagen.

Die britische Admiralität testete bereits im Jahre 1837 Drahttauwerk für die  Verwendung auf Schiffen der Königlichen Marine und bestätigte 1838 dessen Einsatzfähigkeit. Sicher ist nicht, ob es sich damals schon um geschlagenes Drahttauwerk handelte, oder ob dieses zunächst nur aus einer gewissen Anzahl parallel laufender Drähte bestand. Nachweislich erhielten im Jahre 1840 in England die Königliche Yacht "Victoria and Albert", einige Schiffe der Royal Navy (Penelope, Virago, Hermes u.a.), aber auch Handelsschiffe stehendes Gut aus Drahttauwerk.

rope.dr__hte._1_"Drahttauwerk für die Schiffstakelage wurde erstmals in England vor mehr als 100 Jahren hergestellt. Der Tauwerkshersteller, Messrs Newall & Co in Newcastle-upon-Thyne, erhielt 1840 ein Patent für die in seinem Betrieb verbesserte Methode der Herstellung von Drahttauwerk. In den Jahren um 1850 war das Rigg der meisten, in England neu erbauten Schiffe, aus Drahttauwerk; ein Merkmal, das Seeleuten seinerzeit dazu verhalf, britische Schiffe von jenen anderer Nationen zu unterscheiden." Frei übersetzt aus: Svensson, Sam: Handbook of Seaman`s Ropework, Adlard Coles Ltd, London 1971
  
Wann das Drahtseil in der deutschen Seefahrt, z.B. als stehendes Gut, genau  eingeführt wurde, konnte der Verfasser selbst nach Befragung einiger deutscher Werften und Tauwerkshersteller bisher nicht klären. 
"Wann das erste Drahttau zu Wasser ging, kann nicht mit Sicherheit festgestellt werden. In Deutschland scheinen die ersten Versuche ausgangs der 50er Jahre stattgefunden und darin bestanden zu haben, dass man in dem am Schornstein vorbeiführenden Stage ein Ende Drahttau an der Stelle einfügte, wo das Hanfstag durch die dem Schornstein entströmende Hitze schnell verbrannte." Fr. Schleifenbaum, Das Drahtseil im Dienste der Schiffahrt

Nach 1840 hatte die deutsche Firma Theodor Guilleaume für Drahtseile den Kreuzschlag eingeführt,rope.dr__hte._1_ bei welchem Drähte und Kardeele wie beim Naturfasertauwerk, in jeweils entgegengesetzter Richtung geschlagen sind. Der sogenannte Kreuzschlag enthielt gleichzeitig eine "Seele" aus Hanftauwerk, die dem Drahtseil eine größere Lehnigkeit (Biegsamkeit) gab. Obwohl bei Reedern und Kapitänen weiterhin ein gewisses Mißtrauen dem Drahtseil gegenüber bestand, wurden um etwa 1850 die Vorteile des Drahttauwerks für die Zwecke der Schiffahrt stärker genutzt und:

"Allmählich eroberten sich die Gussstahl-Drahtseile alle Gebiete, und im Jahre 1883 wurden sie durch Verfügung des Reichs-Marine-Amtes auf Anregung der Firma Felten & Guilleaume für das stehende Gut der Kaiserlichen Marine ausschliesslich eingeführt."  Fr. Schleifenbaum, Das Drahtseil im Dienste der Schiffahrt

"Gegenwärtig wird von Drahttauwerk der ausgedehnteste Gebrauch gemacht. Alle Drahttaue sind rechts geschlagen und bestehen aus sechs Kardeelen, die um eine Hanfseele geschlungen werden. Jede Kardeele besteht, je nach der Stärke des Taues, aus einer verschiedenen Anzahl Drähte, die ihrerseits wieder um eine Hanfseele gewunden sind. Ein Drahttau hat also im ganzen sieben Hanfseelen. Zu stehendem Gute verwendet man jetzt nur Tauwerk von gezinktem Eisendrahte und das wantgeschlagene Hanftauwerk ist fast vollständig verdrängt worden. Vor diesem hat es den Vorteil, daß es weniger Windfang hat und nicht reckt; außerdem ist es billiger, leichter und dauerhafter. Es ist jedoch nicht so elastisch, läßt sich spleißen und die aufgesetzten Bindsel halten nicht so gut. Bei dem stehendem Gut kommt fast nur die Bruchfestigkeit in Betracht." Mühleisen, Albrecht,: Handbuch der Seemannschaft, M. Heinsius Nachfolger, Bremen 1893

drahtseil.steh.gutFür die Herstellung von Drahttauwerk verwandte man dünne Stahl-, Eisen- oder Kupferdrähte, die ähnlich wie beim Naturfasertauwerk zu Kardeelen und Trossen geschlagen wurden. Während vierkardeeliges Naturfasertauwerk nur eine Seele zwischen den vier Kardeelen hat, besitzt Drahttauwerk auch noch Seelen in den einzelnen Kardeelen. Die Seelen des Drahttauwerks sind stark gefettet, um den Draht lehnig (geschmeidig) zu halten und ihn zu konservieren. Verwendung an Bord als Stehendes Gut sowie für Festmacher- und Schleppleinen. In der Folgezeit wurden dünnere Drahtseile als Fußpferde und laufendes Gut eingesetzt. 

 

 konstr.drahtseil
"Stahl-, Aluminiumbronze und Kupferdrahttauwerk.

Vorteile:
  1. Bei geringem Umfang größere Festigkeit,
  2. geringe Dehnbarkeit und
  3. größere Haltbarkeit als andere Tauwerksarten.
  Nachteile:
  1. Neigung zur Kinkenbildung,
  2. schwerer,
  3. weniger handlich.

Verwendung:

Als stehendes Gut wird dickdrähtiges Stahldrahttauwerk verwandt, als laufendes Gut nur dünndrähtiges." 

Verzeichnis Seemännischer Wörter, Verlag J.J. Augustin, Glückstadt 1935  

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